Die Roadmap Fahrgastinformation des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) macht die Datenqualität zur Messgröße: Der RMV will laut Roadmap als erster Verbund in Deutschland ein System zur Echtzeitüberwachung der Datenqualität entwickeln. Für Verkehrsunternehmen heißt das, dass Ausfälle früher gemeldet und Echtzeitdaten verlässlicher geliefert werden müssen. Das rechnergestützte Betriebsleitsystem (RBL, englisch ITCS) ist dafür der Ausgangspunkt, denn dort entstehen die Daten.
Was steht in der RMV-Roadmap Fahrgastinformation?
Die Roadmap Fahrgastinformation des RMV ist ein öffentlich zugängliches Dokument ohne Erscheinungsdatum. Es nennt jedoch Zeitpunkte, an denen sich der Stand einordnen lässt: Die Befragung der Fahrgäste fand 2025 statt, die erste Version eines Leitfadens für Fahrgastinformation wurde für das Frühjahr 2026 angekündigt, und die RMV-Leitstelle sollte ab dem Frühsommer 2026 starten. Ob diese Schritte umgesetzt sind, prüfen Sie am besten direkt beim RMV.
Die Roadmap ruht auf drei Säulen. Die erste Säule macht die Datenqualität messbar, die zweite bündelt die Steuerung in einer Leitstelle des Verbunds, die dritte verbessert die Information bei Schienenersatzverkehr (SEV). Dazu kommen Handlungsfelder wie die Digitalisierung von Hintergrundprozessen und die Fahrgastinformationsmedien, etwa Anzeiger und Auskunft.
Einige Zahlen aus dem Dokument zeigen die Größenordnung:
- Laut Roadmap steuert das ITCS des RMV über 1.200 Fahrzeuge aus 30 Verkehrsunternehmen.
- In allen Verkehrsverträgen im RMV ist die Zulieferung von Echtzeitdaten verankert, das betrifft rund 1.000 Linien.
- Der RMV nennt 394 Schienenstationen, davon rund 370 mit Anzeigern.
- Laut Roadmap ist fast die Hälfte der befragten Fahrgäste (n=407) mit der Informationsqualität unzufrieden.
Der letzte Punkt erklärt den Ansatz. Wer Fahrgästen verlässliche Daten liefern will, muss zuerst wissen, wo Fehler entstehen.
Warum misst der RMV die Datenqualität künftig in Echtzeit?
Die Roadmap beschreibt ein System, das Datenlieferungen in Echtzeit auswertet und Fehler früh sichtbar macht. Das Dokument nennt als Zeithorizont das Jahr 2027. Wichtig ist der Ton: Unter der Zwischenüberschrift „Pionierarbeit statt Pönale“ steht, dass Fehlerquellen sofort behoben werden sollen, statt nachträglich zu bestrafen.
Gleichzeitig hält die Roadmap fest: „Die Verkehrsunternehmen bleiben für ihre operativen Prozesse verantwortlich.“ Die Verantwortung für die Datenlieferung liegt also bei Ihnen, auch wenn der Verbund Mitverantwortung übernimmt, wo neue technische Möglichkeiten vertraglich noch nicht geregelt sind. Für die Praxis bedeutet das: Sie sollten Ihre eigene Datenqualität kennen, bevor der Verbund sie misst.
Drei Kennzahlen lassen sich aus Betriebsdaten ohne großen Aufwand ableiten: der Anteil der Fahrten mit Echtzeitdaten, die Zeit zwischen einem Ereignis im Betrieb und seiner Meldung an die Auskunftssysteme sowie die Zahl der Fahrten, bei denen Soll- und Istdaten nicht zusammenpassen. Welche Kriterien der RMV selbst anlegt, nennt die Roadmap nur als Vorhaben. Eine verbindliche Liste finden Sie dort nicht.
Was ändert sich bei Ausfallmeldungen im RBL?
Hier wird die Roadmap konkret. Laut Dokument gibt es seit 2025 technisch die Möglichkeit, Ausfälle zeitlich unbegrenzt im Voraus zu übermitteln, „sofern das Rechnergestützte Betriebsleitsystem (RBL) des Verkehrsunternehmens dazu in der Lage ist“. Der RMV erwartet, dass Ausfälle früher eingepflegt werden. Dafür sind nach der Roadmap Anpassungen im RBL und interne Prozessumstellungen nötig.
Das ist eine Frage an zwei Stellen. Erstens an die Software: Kann Ihr System einen geplanten Ausfall lange vor der Fahrt erfassen und an die Auskunft weitergeben? Zweitens an den Betrieb: Wer in der Leitstelle meldet einen Ausfall, wann, und wie kommt die Information an die Fahrgäste? Ein spät gemeldeter Ausfall bleibt in den Anzeigern sichtbar als Fahrt, die nie stattfindet.
Bei Fahrten im SEV soll es laut Roadmap ähnlich laufen: Verspätungen und Ausfälle sollen wie im Regelverkehr gemeldet werden. Auch dafür braucht es sauber strukturierte Daten.
Welche Rolle spielt die Leitstelle des Verbunds?
Die zweite Säule beschreibt eine Leitstelle des RMV für die Fahrgastinformation. Sie soll laut Roadmap Qualitätskontrolle rund um die Uhr leisten, Störungsinformationen koordinieren und bei Großstörungen die Fahrgäste lenken. Der Start war für den Frühsommer 2026 vorgesehen.
Für Ihre eigene Leitstelle ändert sich damit die Zusammenarbeit. Eine Leitstelle im Verbund sieht Störungen aus Sicht des Fahrgasts und über Unternehmensgrenzen hinweg. Ihre Betriebslenkung kennt dagegen die Fahrzeuge, die Fahrer und die Alternativen im eigenen Netz. Beide Seiten brauchen dieselbe Datengrundlage, sonst entstehen widersprüchliche Meldungen.
Warum betrifft die Roadmap auch den Busverkehr?
Die Logik der Roadmap gilt für Busse genauso. Das ITCS des RMV steuert laut Roadmap über 1.200 Fahrzeuge. Ein Anzeiger an der Haltestelle ist nur so gut wie die Daten, die aus dem Fahrzeug und der Leitstelle dort ankommen.
Ein Beispiel aus dem Dokument zeigt, worauf es ankommt: Bei Störungen dauert die Kommunikation eines Fehlerclusters laut Roadmap bisher mindestens eine Viertelstunde. Für digitale Aushänge nennt der RMV das Ziel von 30 Sekunden statt bis zu 30 Minuten. Solche Zeiten erreichen Sie nur, wenn eine Meldung im Betrieb ohne Medienbruch an die Auskunftssysteme geht. Jede manuelle Zwischenstation kostet Minuten, die Fahrgäste an der Haltestelle spüren.
Für Busbetriebe heißt das: Prüfen Sie, wo in Ihrer Meldekette noch Handarbeit steckt, etwa bei der Eingabe von Ausfällen, bei Umleitungen oder bei der Abstimmung zwischen Fahrer und Betriebslenkung. Genau an diesen Stellen entscheidet sich, ob Ihre Daten in einem Messsystem bestehen.
Wie unterstützt ein RBL diese Anforderungen?
Ein RBL kann die Roadmap nicht erfüllen, aber es legt die Basis. Die Plattform von Pysae führt Echtzeitbetrieb im Modul Pysae Operations. Nach der Beschreibung auf der Plattformseite berechnet die Live-Karte Verspätungen, Verfrühungen und die Regelmäßigkeit je Linie automatisch. Alarme und Störungen erfassen Fahrtausfälle und kritische Verspätungen und eskalieren sie sofort. Die Fahrer-App Pysae Driver bietet einen digitalen Dienstzettel, GPS-Navigation und bidirektionale Kommunikation mit dem RBL. Außerdem exportiert das Modul automatisch in GTFS-RT, SIRI und ITxPT an regionale Auskunftssysteme und Aufgabenträger.
Zwei Grenzen gehören zur ehrlichen Einordnung. Die Roadmap spricht von VDV-konformer Datenübermittlung und nennt die Schnittstelle VDV 454. GTFS-RT und SIRI haben wir im Text nicht gefunden. Die VDV-454-Schnittstelle führt die Plattformseite nicht auf. Ob und wie Ihr Verbund eine bestimmte Schnittstelle verlangt, klären Sie vor einer Entscheidung mit dem RMV. Außerdem beschreibt die Seite keine Meldung von Ausfällen weit im Voraus. Fragen Sie diese Funktion im Gespräch konkret ab.
Für die Echtzeitstandards finden Sie eine Einordnung im Beitrag SIRI oder GTFS-RT: Welcher Echtzeitstandard passt zu Ihrem Netz?. Die Praxis der Datenkette vom Fahrzeug bis zur Anzeige beschreibt GTFS-RT in der Praxis.
Welche Schritte empfehlen sich für Verkehrsunternehmen im RMV-Gebiet?
Aus der Roadmap lässt sich eine kurze Prüfliste ableiten:
- Vertrag lesen: Welche Lieferpflichten für Echtzeitdaten und Ausfallmeldungen enthält Ihr Verkehrsvertrag, und welche Schnittstelle ist dort genannt?
- Eigene Datenqualität messen: Anteil der Fahrten mit Echtzeitdaten, Meldedauer, Abweichungen zwischen Soll und Ist.
- Prozess für Ausfälle festlegen: Wer meldet wann, und wie früh kann Ihr RBL einen Ausfall erfassen?
- Leitfaden und Empfehlungen des RMV abfragen: Die Roadmap kündigt einen Leitfaden und Empfehlungen zur Datenversorgung der Anzeiger an.
- Systemfragen klären: Unterstützt Ihr RBL die geforderte Schnittstelle, und lassen sich Exporte ohne Handarbeit erzeugen?
Wenn Sie wissen möchten, wie diese Fragen in einem Echtzeitbetrieb auf einer einzigen Plattform aussehen, können Sie über die Schaltfläche „Demo buchen“ auf dieser Seite eine Demo anfragen. Dann sehen Sie die Live-Karte, die Alarme und die Exporte im Zusammenhang.
Häufig gestellte Fragen
Gilt die RMV-Roadmap auch für Verkehrsunternehmen außerhalb des RMV-Gebiets?
Nein, die Roadmap beschreibt Vorhaben des RMV für sein Verbundgebiet. Sie zeigt aber eine Richtung, die auch andere Verbünde einschlagen können: Datenqualität wird gemessen und nicht nur gefordert. Prüfen Sie, welche Anforderungen Ihr eigener Aufgabenträger stellt.
Wird der RMV Verkehrsunternehmen für schlechte Datenqualität bestrafen?
Die Roadmap sagt das Gegenteil: Unter „Pionierarbeit statt Pönale“ steht, dass Fehlerquellen sofort behoben werden sollen, statt nachträglich zu bestrafen. Verbindlich sind Meldewege und Prioritäten laut Roadmap aber nur, soweit sie in den Verkehrsverträgen vereinbart sind.
Muss mein RBL Ausfälle im Voraus melden können?
Laut Roadmap ist das seit 2025 technisch möglich, sofern das RBL des Verkehrsunternehmens dazu in der Lage ist. Der RMV erwartet, dass Ausfälle früher gemeldet werden. Ob daraus für Sie eine vertragliche Pflicht entsteht, steht in Ihrem Verkehrsvertrag.
Welche Echtzeitstandards nennt die Roadmap?
Die Roadmap nennt die Schnittstelle VDV 454 und spricht von VDV-konformer Datenübermittlung. GTFS-RT und SIRI haben wir im Text nicht gefunden. Welche Schnittstellen für Ihr Unternehmen gelten, klären Sie direkt mit dem RMV.